
Die präzise Berechnung des Break-Even-Points ist nicht das Ziel, sondern der Startpunkt für strategische Entscheidungen, die über den Unternehmenserfolg entscheiden.
- Fix- und variable Kosten sind keine statischen Blöcke, sondern elastische Hebel, die aktiv gestaltet werden müssen.
- Profitabilität garantiert keine Liquidität; ein aktives Cashflow-Management ist parallel zur BEP-Analyse überlebenswichtig.
Empfehlung: Nutzen Sie Szenario-Analysen und ein operatives Controlling, um den Break-Even-Point von einer reaktiven Kennzahl in ein proaktives Steuerungsinstrument zu verwandeln.
Die Frage, ab wann ein Unternehmen Gewinn abwirft, beschäftigt jeden Gründer und Produktmanager. Die übliche Antwort ist eine Formel: Fixkosten geteilt durch den Deckungsbeitrag. Doch diese mathematische Vereinfachung ist trügerisch. Sie suggeriert eine statische Welt, in der Kosten, Preise und Verkaufsmengen feststehen. Die Realität ist jedoch dynamisch, komplex und voller unvorhersehbarer Variablen. Viele Unternehmer berechnen ihren Break-Even-Point (BEP) einmal, legen ihn in die Schublade des Businessplans und wundern sich, warum die prognostizierte Profitabilität auf sich warten lässt, obwohl die Auftragsbücher voll sind.
Das Problem liegt nicht in der Formel selbst, sondern in ihrer isolierten Betrachtung. Sie ist lediglich ein Foto, während Sie als Unternehmer einen Film drehen. Die wahre Meisterschaft liegt nicht darin, eine einzelne Zahl zu errechnen. Sie liegt darin, die dahinterliegenden Hebel – Fixkostenstruktur, Preisstrategie, Produktportfolio und vor allem die Liquidität – zu verstehen und aktiv zu steuern. Dieser Artikel bricht daher bewusst mit der traditionellen Sichtweise. Wir behandeln den Break-Even-Point nicht als statisches Ergebnis, sondern als dynamisches Cockpit für Ihre unternehmerischen Entscheidungen. Wir werden die einzelnen Komponenten der Formel dekonstruieren, typische Denkfehler aufdecken und Ihnen zeigen, wie Sie den BEP in ein schlagkräftiges, operatives Werkzeug verwandeln, das Sie sicher durch die kritische Startphase navigiert.
Um Ihnen eine klare und logische Struktur zu bieten, führt dieser Leitfaden Sie schrittweise durch die entscheidenden Aspekte der Break-Even-Analyse. Vom Management der Kosten über die Preisgestaltung bis hin zur Sicherung Ihrer Liquidität werden alle Facetten beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis: Der Weg zur exakten Profitabilitätssteuerung
- Warum Fixkosten Ihre Gewinnschwelle nach oben treiben und wie Sie sie senken
- Wie Sie Ihren Preis setzen müssen, um den Break-even in unter 12 Monaten zu erreichen
- Break-even-Point oder Amortisationsdauer: Welche Kennzahl ist für Investoren wichtiger?
- Der Fehler der variablen Kosten: Warum Ihr Break-even in der Realität später kommt als geplant
- Welche Produkte in Ihrem Portfolio tragen am schnellsten zur Deckung der Fixkosten bei?
- Wie etablieren Sie ein operatives Controlling, das Sie vor bösen Überraschungen schützt?
- Wie schreiben Sie einen Businessplan, der Bankern keine andere Wahl lässt, als „Ja“ zu sagen?
- Wie verhindern Sie, dass Ihnen trotz voller Auftragsbücher das Bargeld ausgeht?
Warum Fixkosten Ihre Gewinnschwelle nach oben treiben und wie Sie sie senken
Fixkosten sind das Fundament Ihrer Kostenstruktur und der grösste Treiber für einen hohen Break-Even-Point. Sie fallen unabhängig von Ihrer Produktions- oder Absatzmenge an – Miete, Gehälter, Software-Lizenzen. Psychologisch erzeugen sie einen konstanten Druck, denn jeder Tag ohne Umsatz erhöht den Verlust. Die Profitabilität rückt in den Fokus, was eine aktuelle Studie unterstreicht: Laut dem Deutschen Startup Monitor 2024 setzen über 73,8 % der deutschen Startup-Gründer Profitabilität als ihr Hauptziel – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2021. Dies zeigt, dass die Kontrolle der Kostenbasis entscheidend ist.
Ein typisches kleines Startup hat schnell monatliche Fixkosten von 12.500 Euro, wie ein Praxisbeispiel verdeutlicht. Diese Summe muss jeden Monat „verdient“ werden, bevor der erste Euro Gewinn entsteht. Die strategische Reduzierung von Fixkosten bedeutet jedoch nicht, blind zu sparen. Es geht um die Erhöhung der Kostenelastizität – die Fähigkeit, Ihre Kostenbasis schnell an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Der Schlüssel liegt darin, Fixkostenblöcke in variable Kosten umzuwandeln. Anstatt eines festangestellten Entwicklers könnten Sie mit einem Freelancer auf Projektbasis arbeiten. Anstelle eines langfristigen Mietvertrags für ein grosses Büro könnten Sie flexible Co-Working-Spaces nutzen. Jede solche Entscheidung senkt Ihre Gewinnschwelle und erhöht Ihre unternehmerische Freiheit.
Ein systematischer Ansatz ist unerlässlich, um diesen Prozess zu steuern. Ein regelmässiger Fixkosten-Audit hilft, unnötigen Ballast zu identifizieren und abzuwerfen. Dabei geht es nicht nur um die harten Zahlen, sondern auch um die Neubewertung jeder einzelnen Kostenposition im Hinblick auf ihren Beitrag zum Unternehmensziel.
Wie Sie Ihren Preis setzen müssen, um den Break-even in unter 12 Monaten zu erreichen
Der Verkaufspreis ist der zweite entscheidende Hebel zur Steuerung Ihres Break-Even-Points. Ein höherer Preis führt bei gleichen Kosten zu einem höheren Deckungsbeitrag pro Stück und lässt Sie die Gewinnschwelle schneller erreichen. Doch die Preisgestaltung ist eine der schwierigsten unternehmerischen Disziplinen. Ein zu hoher Preis schreckt Kunden ab, ein zu niedriger verschenkt Marge und verzögert die Profitabilität unnötig. Erstaunlicherweise zeigt eine aktuelle Pricing-Studie, dass 73 % der Unternehmen immer noch auf simple Cost-Plus-Strategien setzen, bei denen einfach eine Marge auf die Kosten aufgeschlagen wird. Dieser Ansatz ignoriert den Markt und den wahrgenommenen Wert für den Kunden völlig.
Eine strategischere Herangehensweise ist das Target Costing. Hier wird der Prozess umgedreht: Sie definieren zuerst einen marktfähigen Preis, ziehen Ihre gewünschte Gewinnmarge ab und erhalten so die maximal erlaubten Kosten (die „Target Costs“). Dieser Ansatz zwingt Sie von Beginn an zur absoluten Kostendisziplin und richtet das gesamte Unternehmen auf ein profitables Ziel aus. Die dynamische Preisgestaltung ist der Schlüssel, um Kosten und Umsatz in Balance zu bringen.

Wie die Visualisierung andeutet, ist die Preisstrategie kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess. In der Anfangsphase kann ein niedrigerer Penetrationspreis sinnvoll sein, um Marktanteile zu gewinnen. Sobald eine Kundenbasis etabliert ist, kann der Preis schrittweise an den gelieferten Wert (Value-Based Pricing) angepasst werden, um den Break-even zu beschleunigen. Die Wahl der richtigen Strategie hängt stark von Ihrem Produkt, Markt und Ihren Zielen ab.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die gängigsten Preisstrategien und deren Auswirkungen auf die Erreichung der Gewinnschwelle.
| Preisstrategie | Ansatz | Auswirkung auf Break-even | Eignung für Startups |
|---|---|---|---|
| Target Costing | Marktfähiger Preis – Gewinnziel = Maximale erlaubte Kosten | Beschleunigt BEP durch Kostenkontrolle | Sehr hoch |
| Cost-Plus-Pricing | Kosten + Marge = Preis | Langsamer BEP, risikobehaftet | Niedrig |
| Value-Based-Pricing | Preis basiert auf Kundenwert | Potenziell schneller BEP bei hohem Wert | Mittel bis hoch |
| Penetration Pricing | Niedriger Anfangspreis für Volumen | Verzögerter BEP, aber schnelleres Wachstum | Situationsabhängig |
Break-even-Point oder Amortisationsdauer: Welche Kennzahl ist für Investoren wichtiger?
Für Investoren ist die Analyse eines Startups ein Balanceakt zwischen Risiko und Potenzial. In diesem Kontext sind Kennzahlen wie der Break-Even-Point und die Amortisationsdauer (Payback Period) zentrale Entscheidungsgrundlagen. Der BEP gibt an, ab welchem Umsatzvolumen ein Unternehmen profitabel wird, während die Amortisationsdauer misst, wie lange es dauert, bis die ursprüngliche Investition durch die generierten Cashflows zurückgeflossen ist. Beide Kennzahlen sind wichtig, bedienen aber unterschiedliche Informationsbedürfnisse des Investors.
In einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld gewinnt die Frage nach der Profitabilität an Dringlichkeit. Wie Thomas Prüver vom Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY feststellt:
Hohen Zinsen, zurückhaltenden Investoren und einer schwachen Konjunkturentwicklung zum Trotz hat sich die Startup-Szene in Deutschland nach einer Talsohle in den vergangenen Jahren im Jahr 2024 stabilisiert.
– Thomas Prüver, EY Startup-Barometer Januar 2025
Diese Stabilisierung ist auch darauf zurückzuführen, dass Geschäftsmodelle wieder stärker auf ihre grundlegende Tragfähigkeit geprüft werden. Eine Studie zum Investitionsverhalten bestätigt diesen Trend: Obwohl deutsche Startups 2024 über 7 Milliarden Euro einsammelten, achten Investoren heute mehr auf nachhaltige Geschäftsmodelle und realistische BEP-Prognosen als auf reines Wachstum um jeden Preis. Der Break-Even-Point ist für sie ein Indikator für die operative Effizienz und die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells. Er zeigt, ob das Unternehmen in der Lage ist, sich aus eigener Kraft zu tragen.
Die Amortisationsdauer hingegen ist eine reine Risikokennzahl. Sie beantwortet die Frage: „Wann bekomme ich mein Geld zurück?“ Eine kurze Amortisationsdauer ist attraktiv, sagt aber nichts über die langfristige Profitabilität nach diesem Zeitpunkt aus. Für einen Venture-Capital-Investor, der auf einen hohen Exit-Wert in 5-10 Jahren abzielt, ist ein schnell erreichter, aber nachhaltiger BEP oft wichtiger als eine schnelle Amortisation. Ein Business Angel, der eine frühe Rendite sucht, mag die Amortisationsdauer stärker gewichten. Letztendlich ist die Kombination entscheidend: Ein schneller Weg zum BEP legt die Basis für die positive Cashflow-Entwicklung, die wiederum die Amortisation beschleunigt.
Der Fehler der variablen Kosten: Warum Ihr Break-even in der Realität später kommt als geplant
Variable Kosten scheinen auf den ersten Blick einfach zu kalkulieren: Materialkosten pro Stück, Produktionskosten pro Einheit, Versandkosten pro Bestellung. In der Break-Even-Formel werden sie oft als konstanter Wert angenommen. Genau hier liegt jedoch einer der häufigsten und kostspieligsten Fehler in der Planung. In der Realität sind variable Kosten selten linear. Sie unterliegen Schwankungen, Skaleneffekten und beinhalten oft versteckte Komponenten, die in der ersten Kalkulation übersehen werden.
Ein klassisches Beispiel sind versteckte variable Kosten. Dazu gehören Transaktionsgebühren für Zahlungsanbieter (oft 2-3 % vom Umsatz), Kosten für Retouren (im E-Commerce bis zu 15 %) oder prozentuale Vertriebsprovisionen. Diese „unsichtbaren“ Kosten schmälern den Deckungsbeitrag bei jeder einzelnen Transaktion und verschieben den Break-Even-Point unbemerkt nach hinten. Ein weiterer Faktor sind sprungfixe Kosten. Das sind Kosten, die ab einer bestimmten Produktions- oder Absatzmenge sprunghaft ansteigen, wie die Anmietung einer zusätzlichen Lagerhalle oder die Einstellung eines weiteren Mitarbeiters im Kundenservice. Ignoriert man diese Schwellenwerte, ist die BEP-Berechnung fehlerhaft.
Um diese Realitätslücke zu schliessen, ist eine Sensitivitätsanalyse unerlässlich. Anstatt mit einem einzigen Wert zu rechnen, sollten Sie verschiedene Szenarien modellieren:
- Best-Case-Szenario: Variable Kosten sinken durch Mengenrabatte bei grösseren Bestellungen.
- Real-Case-Szenario: Berücksichtigung einer moderaten Kostensteigerung von 10-15 % durch Inflation oder leichte Lieferengpässe.
- Worst-Case-Szenario: Variable Kosten steigen um 20-30 % aufgrund unvorhergesehener Ereignisse wie einer Rohstoffkrise.
Diese Szenario-Planung macht Ihren Finanzplan robuster und bereitet Sie auf Schwankungen vor. Sie transformiert die statische BEP-Berechnung in ein dynamisches Risikomanagement-Tool. Sie wissen nicht nur, wo Ihr BEP liegt, sondern auch, wie sensibel er auf Veränderungen bei Ihren wichtigsten Kostentreibern reagiert.
Welche Produkte in Ihrem Portfolio tragen am schnellsten zur Deckung der Fixkosten bei?
Die meisten Unternehmen verkaufen nicht nur ein Produkt, sondern ein ganzes Portfolio. Die Annahme eines einzigen Durchschnittsprodukts in der Break-Even-Kalkulation ist eine grobe Vereinfachung, die zu fatalen Fehlentscheidungen führen kann. Jedes Produkt hat einen anderen Preis, andere variable Kosten und somit einen anderen Deckungsbeitrag – also den Betrag, der nach Abzug der variablen Kosten zur Deckung der Fixkosten verbleibt. Die strategische Analyse Ihres Produktportfolios ist daher entscheidend, um den Weg zur Profitabilität zu beschleunigen.
Nicht alle Produkte sind gleichwertig. Einige sind „BEP-Turbos“ mit hohen Margen und hohem Absatzvolumen, andere sind „Volumenbringer“, die zwar wenig Marge abwerfen, aber für Marktpräsenz und Cross-Selling-Potenziale wichtig sind. Die Kunst besteht darin, den richtigen Mix zu finden und die Vertriebs- und Marketinganstrengungen auf die Produkte zu konzentrieren, die den höchsten Deckungsbeitrag liefern. Eine Portfolio-Matrix hilft, diese strategische Rolle für jedes Produkt zu definieren.
Die visuelle Analyse der unterschiedlichen Materialitäten und Texturen Ihrer Produkte kann symbolisch für die unterschiedlichen Margen stehen – von poliertem Metall für hochmargige Produkte bis hin zu rauen Oberflächen für niedrigmargige Artikel.

Die folgende Tabelle strukturiert Produkte anhand ihrer Deckungsbeitragsmarge und ihres Verkaufsvolumens und leitet daraus strategische Empfehlungen ab. Diese Analyse ermöglicht es Ihnen, Ihr Portfolio aktiv zu steuern.
| Produktkategorie | Deckungsbeitragsmarge | Verkaufsvolumen | Strategische Rolle |
|---|---|---|---|
| BEP-Turbos | Hoch (>40%) | Hoch | Kernprodukte für schnellen Break-even |
| Stille Helden | Hoch (>40%) | Niedrig | Premium-Produkte, Upselling-Potenzial |
| Volumenbringer | Niedrig (<20%) | Hoch | Marktpräsenz, Cross-Selling-Basis |
| Problemkinder | Niedrig (<20%) | Niedrig | Portfolio-Bereinigung prüfen |
Das Wichtigste in Kürze
- Der Break-Even-Point ist keine statische Zahl, sondern ein dynamisches Steuerungsinstrument, das eine aktive Auseinandersetzung erfordert.
- Die Umwandlung von Fixkosten in variable Kosten (Kostenelastizität) erhöht die unternehmerische Flexibilität und senkt die Gewinnschwelle.
- Profitabilität ist nicht gleich Liquidität. Selbst nach Erreichen des BEP kann ein Unternehmen aufgrund eines negativen Cashflows in Schwierigkeiten geraten.
Wie etablieren Sie ein operatives Controlling, das Sie vor bösen Überraschungen schützt?
Den Break-Even-Point einmalig zu berechnen, ist wie eine Landkarte zu besitzen, aber während der Fahrt nie wieder darauf zu schauen. Ohne ein kontinuierliches Monitoring wissen Sie nicht, ob Sie auf Kurs sind, wie schnell Sie sich Ihrem Ziel nähern oder ob ein unvorhergesehenes Hindernis den Weg blockiert. Ein operatives Controlling-System ist Ihr Navigationsgerät. Es übersetzt die strategischen Ziele in messbare, tägliche und wöchentliche Kennzahlen (KPIs) und schlägt Alarm, wenn Sie vom Kurs abkommen.
Ein zentraler Fehler ist die alleinige Fokussierung auf die Gewinn- und Verlustrechnung. Ein Unternehmen kann auf dem Papier profitabel sein und dennoch scheitern. Warum? Wegen des Working Capital Effekts. Wenn Ihre Kunden lange Zahlungsziele haben (z.B. 90 Tage), Sie Ihre Lieferanten aber sofort bezahlen müssen, entsteht eine Liquiditätslücke. Sie haben zwar Umsätze generiert und den BEP vielleicht schon überschritten, aber das Geld ist noch nicht auf dem Konto. Fallstudien belegen dies eindrücklich: TRESIO-Analysen belegen, dass trotz eines Reingewinns von 80.000 CHF ein negativer Cashflow von 30.000 CHF entstehen kann. Diese Lücke muss finanziert werden und kann schnell zur Insolvenzfalle werden.
Ein effektives Controlling schaut daher immer auf zwei Dimensionen: Profitabilität (GuV) und Liquidität (Cashflow). Der Schlüssel ist ein Frühwarnsystem, das auf operativen, vorlaufenden Indikatoren basiert, nicht auf nachlaufenden Buchhaltungsdaten. Anstatt nur den Monatsumsatz zu betrachten, tracken Sie die Anzahl der generierten Leads, die Conversion Rate im Vertrieb oder die tägliche Produktionsmenge. Diese KPIs sind direkt mit Ihrem Weg zum BEP verknüpft und erlauben eine proaktive Steuerung.
Ihr Aktionsplan zur Implementierung eines Frühwarnsystems
- Wöchentliche KPI-Überwachung: Führen Sie die Überwachung von Burn Rate vs. Earn Rate, der Deckungsbeitragsentwicklung und der Cash-Reichweite in Tagen als festes Ritual ein.
- Rollierender 13-Wochen-Liquiditätsplan: Erstellen Sie eine detaillierte Prognose aller Ein- und Auszahlungen für das kommende Quartal und aktualisieren Sie diese wöchentlich.
- Soll-Ist-Vergleich: Führen Sie wöchentlich einen Soll-Ist-Vergleich durch. Messen Sie nicht nur die Abweichungen, sondern analysieren Sie rigoros deren Ursachen.
- Operative KPIs mit BEP verknüpfen: Definieren Sie, wie viele tägliche Leads, Verkaufsgespräche oder produzierte Einheiten notwendig sind, um auf BEP-Kurs zu bleiben.
- Tech-Stack für Automatisierung nutzen: Integrieren Sie Echtzeitdaten aus Ihrer Buchhaltungssoftware, dem CRM und der Produktionsplanung für eine tagesaktuelle Übersicht.
Wie schreiben Sie einen Businessplan, der Bankern keine andere Wahl lässt, als ‚Ja‘ zu sagen?
Ein Businessplan ist mehr als nur eine Formalität für die Kreditvergabe. Er ist der schriftliche Beweis Ihrer unternehmerischen Kompetenz. Für einen Banker, der täglich Dutzende von Plänen prüft, ist die Finanzplanung – und insbesondere die Break-Even-Analyse – das Herzstück. Hier zeigt sich, ob Sie Ihr Geschäftsmodell nicht nur kreativ, sondern auch kaufmännisch beherrschen. Eine oberflächliche BEP-Berechnung ist eine rote Flagge und signalisiert mangelnde Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschäftsrisiko.
Banker suchen nach Realismus und Risikobewusstsein. Sie wissen, dass kein Plan die Realität perfekt vorhersagt. Was sie überzeugen wollen, ist nicht die eine, optimistische BEP-Prognose, sondern Ihre Fähigkeit, mit Abweichungen umzugehen. Der Finanzratgeber René Klein von Fuer-Gruender.de gibt eine klare Benchmark vor: „Für Unternehmensgründer aus klassischen Bereichen wie Gastronomie, Handel oder Dienstleistungen sollte sich der Break Even nach 6, spätestens 12 bis 24 Monate nach dem Start einstellen.“ Ihr Plan muss plausibel darlegen, wie Sie dieses Ziel innerhalb eines realistischen Zeitrahmens erreichen.
Der entscheidende Faktor, der einen guten von einem exzellenten Businessplan unterscheidet, ist die Szenario-Analyse direkt im Finanzteil. Anstatt nur einen einzigen Weg zur Profitabilität zu skizzieren, präsentieren Sie drei: einen optimistischen, einen realistischen und einen pessimistischen Fall.
Fallstudie: Break-Even-Szenarioanalyse im Businessplan
Ein erfolgreiches Startup präsentierte in seinem Businessplan drei BEP-Szenarien: Optimistisch (Gewinnschwelle in Monat 6), Realistisch (Monat 12) und Pessimistisch (Monat 18). Entscheidend war, dass für das pessimistische Szenario bereits konkrete, durchdachte Gegenmassnahmen definiert waren, wie eine Kostenreduktion um 20 % durch die Umstellung von Lieferanten, verstärktes Online-Marketing zur Lead-Generierung und die Aktivierung alternativer Vertriebskanäle. Diese transparente Darstellung der Risikokompetenz überzeugte die Bank von der Professionalität der Gründer und führte zu einer Kreditzusage über 500.000 Euro.
Diese Vorgehensweise demonstriert Weitsicht. Sie zeigen dem Banker, dass Sie nicht nur träumen können, sondern auch einen Plan B (und C) haben. Sie beweisen, dass Sie die kritischen Hebel Ihres Geschäftsmodells identifiziert haben und wissen, an welchen Stellschrauben Sie drehen müssen, wenn es schwierig wird. Das schafft Vertrauen – die wichtigste Währung in jeder Bankbeziehung.
Wie verhindern Sie, dass Ihnen trotz voller Auftragsbücher das Bargeld ausgeht?
Es ist das grösste Paradoxon für viele wachsende Unternehmen: Die Auftragsbücher sind voll, die Umsätze steigen, der Break-Even-Point ist in greifbarer Nähe oder sogar überschritten – und trotzdem droht die Insolvenz. Der Grund ist simpel, aber oft fatal: Profitabilität ist nicht dasselbe wie Liquidität. Studien zeigen, dass Liquiditätsprobleme zu den häufigsten Gründen für das Scheitern von ansonsten gesunden KMU und Startups gehören. Wer seine Liquidität nicht im Griff hat, kann seine Rechnungen nicht bezahlen, selbst wenn er auf dem Papier Gewinne macht.
Die sogenannte Liquiditätsfalle entsteht durch die Zeitverzögerung zwischen Leistungserbringung und Zahlungseingang. Sie liefern ein Produkt oder eine Dienstleistung (Umsatz wird gebucht), stellen eine Rechnung mit 60 Tagen Zahlungsziel, müssen aber Ihre Lieferanten, Mitarbeiter und die Miete sofort bezahlen. Dieser Vorfinanzierungsbedarf (Working Capital) wächst mit jedem neuen Auftrag und kann Ihr Bankkonto leersaugen, lange bevor der Kunde bezahlt. Volle Auftragsbücher können so das Wachstum beschleunigen – direkt in die Zahlungsunfähigkeit.
Ein aktives Cash-Management ist daher überlebenswichtig. Ziel muss es sein, den Geld-Kreislauf zu beschleunigen. Dies kann durch eine Kombination verschiedener strategischer Massnahmen erreicht werden:
- Debitorenziele verkürzen: Bieten Sie Ihren Kunden Anreize für eine schnelle Zahlung, z. B. 2-3 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen.
- Anzahlungen verhandeln: Vereinbaren Sie bei grösseren Aufträgen standardmässig eine Anzahlung von 30-50 % bei Vertragsabschluss.
- Kreditorenziele verlängern: Verhandeln Sie mit Ihren Lieferanten längere Zahlungsfristen, um Ihren eigenen Cashflow zu schonen.
- Factoring oder Finetrading prüfen: Verkaufen Sie Ihre offenen Forderungen an einen Finanzdienstleister (Factoring) oder lassen Sie Ihren Wareneinkauf vorfinanzieren (Finetrading), um sofortige Liquidität zu erhalten.
Die Basis für all diese Massnahmen ist eine rollierende 13-Wochen-Liquiditätsplanung, die Ihnen tagesgenau aufzeigt, welche Ein- und Auszahlungen anstehen. Sie ist Ihr Frühwarnsystem, das Ihnen Zeit gibt, proaktiv zu handeln, anstatt nur auf den Kontostand zu reagieren.
Beginnen Sie jetzt damit, Ihren Break-Even-Point nicht nur zu berechnen, sondern strategisch zu managen. Analysieren Sie Ihr Kosten- und Produktportfolio, um den Weg zur nachhaltigen Profitabilität proaktiv zu gestalten. Eine präzise Finanzplanung ist der erste Schritt zu einem robusten und erfolgreichen Unternehmen.