Veröffentlicht am März 15, 2024

Der Schlüssel zum KfW-Kredit liegt nicht bei der KfW selbst, sondern darin, die Risikoperspektive Ihrer Hausbank zu verstehen und zu bedienen.

  • Die Bank trägt trotz Haftungsfreistellung ein Restrisiko und ist der alleinige Entscheider über die Kreditvergabe.
  • Ein guter Businessplan ist nur die halbe Miete; Ihre persönliche und finanzielle Beteiligung signalisiert die notwendige Ernsthaftigkeit.

Empfehlung: Bereiten Sie sich darauf vor, nicht nur Ihre Geschäftsidee, sondern vor allem das minimierte Risiko für die Bank zu präsentieren.

Viele Gründerinnen und Gründer sehen im KfW-Gründerkredit die ideale Starthilfe: günstige Zinsen, lange Laufzeiten und der vertrauenswürdige Name einer staatlichen Förderbank. Die Enttäuschung ist jedoch gross, wenn die eigene Hausbank, der obligatorische Ansprechpartner, den Antrag ablehnt oder gar nicht erst weiterleiten möchte. Schnell macht sich der Eindruck breit, das System sei undurchschaubar oder man sei mit seiner Idee schlichtweg nicht gut genug. Die üblichen Ratschläge – „Schreiben Sie einen guten Businessplan“ oder „Seien Sie im Gespräch überzeugend“ – helfen hier oft nicht weiter, da sie an der Oberfläche bleiben.

Die Realität ist: Die Entscheidung über Ihren KfW-Kredit wird nicht in den Hallen der KfW in Frankfurt getroffen, sondern am Schreibtisch eines Kreditanalysten Ihrer lokalen Sparkasse oder Volksbank. Und dieser Analyst denkt nicht wie ein Gründer, sondern wie ein Risikomanager. Der wahre Hebel für eine Zusage liegt darin, diesen Perspektivwechsel zu vollziehen. Es geht weniger darum, die Chancen Ihrer Idee in den schillerndsten Farben zu malen, sondern vielmehr darum, die Risiken für die Bank systematisch und glaubhaft zu minimieren. Dieser Artikel führt Sie durch die bankinterne Logik und zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Argumentation und Unterlagen so aufbereiten, dass Ihre Hausbank kaum eine andere Wahl hat, als „Ja“ zu sagen.

Um Ihnen eine klare Struktur für diesen Perspektivwechsel zu geben, beleuchtet dieser Artikel die entscheidenden Aspekte der Kreditvergabe. Sie erfahren, wie Banken wirklich denken, wie Sie kritische Hürden meistern und Ihre Finanzierung auf ein solides Fundament stellen.

Warum die KfW Ihnen kein Geld gibt, wenn Ihre Hausbank das Risiko nicht mitträgt

Der entscheidende Punkt, den viele Gründer übersehen, ist das sogenannte Durchleitungsprinzip. Die KfW ist keine Direktbank; sie hat keine Filialen, in denen Sie einen Kredit beantragen können. Sie agiert als Förderinstitut, das die Gelder über bestehende Geschäftsbanken – Ihre Hausbank – an die Endkunden weiterleitet. Ihre Hausbank ist somit der alleinige Vertragspartner und der Torwächter für den Zugang zu diesen Mitteln. Sie prüft Ihren Antrag, bewertet Ihr Vorhaben und entscheidet, ob sie das verbleibende Risiko tragen will und den Antrag an die KfW weiterreicht.

Obwohl die KfW bei Programmen wie dem ERP-Gründerkredit StartGeld eine hohe Haftungsfreistellung bietet, übernimmt sie nicht das gesamte Risiko. Gemäss den offiziellen KfW-Förderrichtlinien werden bis zu 80% des Kreditrisikos von der KfW getragen. Die verbleibenden 20% verbleiben jedoch als Restrisiko bei Ihrer Hausbank. Fällt Ihr Kredit aus, verliert die Bank diesen Anteil. Daher wird keine Bank einen Kredit durchleiten, von dessen Rückzahlung sie nicht selbst überzeugt ist. Die KfW gibt Ihnen also kein Geld, wenn Ihre Hausbank nicht bereit ist, für Sie ins Risiko zu gehen.

Diese Konstellation wird von Branchenexperten bestätigt. Wie Für-Gründer.de treffend feststellt:

Die Hausbank ist jedoch nicht verpflichtet, den Antrag auf den KfW Kredit weiterzuleiten.

– Für-Gründer.de, KfW Gründerkredit: ERP Gründerkredit Startgeld/Universell

Ihre gesamte Strategie muss also darauf ausgerichtet sein, nicht die KfW, sondern Ihre Hausbank davon zu überzeugen, dass Ihr Vorhaben auch für die verbleibenden 20% ein sicheres Investment ist.

Wie Sie im Bankgespräch auftreten müssen, um als kreditwürdig eingestuft zu werden

Ein Bankgespräch ist kein Verkaufsgespräch für Ihre Idee, sondern eine Bonitätsprüfung Ihrer Person. Der Bankberater versucht, eine zentrale Frage zu beantworten: Ist dieser Gründer nicht nur willens, sondern auch fähig, den Kredit über die gesamte Laufzeit zu bedienen? Ihre Aufgabe ist es, durch souveränes und vorbereitetes Auftreten klare Signale der Kreditwürdigkeit zu senden. Vergessen Sie emotionale Appelle; hier zählen Fakten, Professionalität und eine erkennbare Auseinandersetzung mit den Risiken.

Kommen Sie niemals unvorbereitet. Ein vollständiger, sauber aufbereiteter Satz an Unterlagen ist das Minimum. Dazu gehören ein detaillierter Businessplan, ein lückenloser Lebenslauf, der Ihre Branchenkompetenz belegt, und eine transparente Darstellung Ihrer privaten Vermögens- und Sicherheitenlage. Jede Nachfrage, jedes fehlende Dokument wird als Mangel an Professionalität und Sorgfalt gewertet – und damit als erhöhtes Risiko. Üben Sie das Gespräch, antizipieren Sie kritische Fragen zu Ihren Annahmen, Ihrem Wettbewerb und Ihren grössten Risiken. Je besser Sie auf unangenehme Fragen vorbereitet sind, desto mehr signalisieren Sie, dass Sie Ihr Geschäft im Griff haben.

Geschäftsunterlagen und Dokumente für Bankgespräch professionell arrangiert

Ihr Auftreten sollte die eines zukünftigen Unternehmers sein, nicht die eines Bittstellers. Das bedeutet: Kleiden Sie sich dem Anlass entsprechend, seien Sie pünktlich und treten Sie selbstbewusst, aber nicht arrogant auf. Sie sind hier, um ein Geschäft auf Augenhöhe vorzuschlagen, bei dem die Bank als Finanzierungspartner profitiert. Die folgende Checkliste hilft Ihnen, alle kritischen Punkte systematisch abzuarbeiten.

Aktionsplan: So bereiten Sie Ihr Bankgespräch vor

  1. Businessplan finalisieren: Stellen Sie sicher, dass die Finanzplanung detailliert, plausibel und frei von Rechenfehlern ist.
  2. Daten über KfW-Assistent vorbereiten: Nutzen Sie digitale Tools, um Ihre Daten im bankenüblichen Format aufzubereiten.
  3. Unterlagen vollständig sammeln: Legen Sie Lebenslauf, Schufa-Auskunft, Vermögensübersicht und eine Liste möglicher Sicherheiten bereit.
  4. Gespräch simulieren: Proben Sie das Gespräch mit einem Coach oder Mentor und bereiten Sie Antworten auf kritische Fragen vor (z.B. „Was passiert, wenn Ihr Hauptkunde abspringt?“).
  5. Finanzierungspartner auswählen: Recherchieren Sie über die KfW-Suche Banken in Ihrer Nähe und vereinbaren Sie gezielt einen Termin.

Was bedeutet „80% Haftungsfreistellung“ wirklich für Sie und Ihre Bank?

Die „80% Haftungsfreistellung“ ist eines der am häufigsten missverstandenen Merkmale von KfW-Krediten. Viele Gründer glauben, dies sei eine Art Garantie für die Kreditvergabe. In Wirklichkeit ist es ein Risikomanagement-Instrument für die Bank, das aber die Entscheidung nicht vorwegnimmt. Für die Bank bedeutet die Haftungsfreistellung, dass im Falle eines Kreditausfalls die KfW 80% des Schadens übernimmt. Die Bank verliert „nur“ 20% der ausstehenden Summe. Doch genau diese 20% sind aus Sicht des Risikomanagements der Bank entscheidend.

Stellen Sie sich vor, Sie beantragen 30.000 Euro. Das Restrisiko für die Bank beträgt 20% davon, also 6.000 Euro. Auch wenn dieser Betrag gering erscheint, muss die Bank für dieses Risiko eine entsprechende Risikovorsorge bilden und den potenziellen Verlust intern rechtfertigen. Ein Kreditanalyst wird also immer prüfen, ob das Geschäft des Gründers stabil genug ist, um diesen Betrag im schlimmsten Fall zu decken. Die Haftungsfreistellung senkt die Hürde, eliminiert sie aber nicht. Ihr Ziel muss es sein, der Bank zu zeigen, wie Sie dieses Restrisiko für sie weiter minimieren können.

Beispielrechnung: So wird das Restrisiko für die Bank null

Bei einem beantragten Kredit von 30.000 Euro mit einer 80% KfW-Haftungsfreistellung trägt die Hausbank, wie gesehen, ein Restrisiko von 6.000 Euro. Wenn der Gründer nun in der Lage ist, genau diese Summe (oder mehr) als Eigenkapital nachzuweisen und idealerweise als Sicherheit einzubringen, reduziert sich das faktische Risiko der Bank auf null. Aus Sicht des Bankers wird aus einem riskanten Gründerdarlehen eine abgesicherte Finanzierung. Dies erhöht die Chancen auf eine Kreditzusage exponentiell, da die Bank kein eigenes Geld mehr verlieren kann.

Die Höhe der Haftungsfreistellung variiert zudem je nach Kreditprogramm, was die Risikobewertung der Bank weiter beeinflusst. Eine Analyse von verschiedenen KfW-Programmen zeigt die Unterschiede deutlich auf.

Vergleich der KfW-Gründerkredite und Haftungsfreistellungen
Kreditprogramm Max. Kreditsumme Haftungsfreistellung Tilgungsfreie Jahre
ERP-Gründerkredit StartGeld 200.000 € 80% 1-2 Jahre
ERP-Gründerkredit Nachfolge 500.000 € 0% 2 Jahre

Der häufigste Grund, warum Förderkredite abgelehnt werden, obwohl der Businessplan gut ist

Ein perfekt ausgearbeiteter Businessplan mit plausiblen Zahlen und einer überzeugenden Marktanalyse ist die Eintrittskarte zum Bankgespräch – aber keine Garantie für eine Kreditzusage. Der häufigste, oft unausgesprochene Grund für eine Ablehnung liegt in der wahrgenommenen mangelnden persönlichen und finanziellen Verbindlichkeit des Gründers. Banker sind geschulte Risikobewerter, und ein zentrales Risiko bei Gründungen ist nicht das Geschäftsmodell, sondern der Gründer selbst: Wie resilient ist er? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er bei den ersten ernsthaften Schwierigkeiten aufgibt?

Ein Gründer, der kein oder nur sehr wenig eigenes Geld in sein Vorhaben investiert, sendet ein fatales Signal. Aus Sicht der Bank liest sich das so: „Wenn nicht einmal der Gründer selbst bereit ist, finanziell für seine Idee ins Risiko zu gehen, warum sollten wir es dann tun?“ Das Fehlen von „Skin in the Game“ wird als mangelndes Vertrauen in das eigene Projekt und als geringere Hemmschwelle zum Aufgeben interpretiert. Die Bank befürchtet, dass der Gründer bei Problemen einfach die Segel streicht und die Bank auf dem Restrisiko sitzen bleibt.

Deshalb ist die Frage nach dem Eigenkapital so zentral. Es geht nicht nur darum, eine Finanzierungslücke zu schliessen. Ihr Eigenkapitaleinsatz ist der stärkste Beweis für Ihren Glauben an das Projekt und Ihre Entschlossenheit, es zum Erfolg zu führen. Selbst kleine Beträge, die zeigen, dass Sie persönliche Opfer bringen (z.B. aus Ersparnissen, Verkauf von Vermögenswerten), können eine enorme psychologische Wirkung auf den Entscheider haben. Sie demonstrieren, dass Sie an das Unternehmen gebunden sind und alles daransetzen werden, den Kredit zurückzuzahlen, weil Sie selbst etwas zu verlieren haben. Ein guter Businessplan beschreibt die Chance; Ihr Eigenkapital beweist Ihre Verpflichtung.

Wann lohnt es sich, eine lange Zinsbindung zu wählen, auch wenn der Zins höher ist?

Die Wahl der Zinsbindung ist eine strategische Entscheidung, die oft fälschlicherweise nur unter Kostengesichtspunkten betrachtet wird. Gründer tendieren dazu, die kürzestmögliche Zinsbindung mit dem niedrigsten Zinssatz zu wählen, um die monatliche Belastung zu minimieren. Aus der Perspektive eines Risikomanagers ist dies jedoch kurzsichtig. Eine lange Zinsbindung – beispielsweise über 10 Jahre – bietet einen unschätzbaren Vorteil: Planungssicherheit. Sie frieren Ihre Zinskosten für einen langen Zeitraum ein und immunisieren Ihr Unternehmen gegen zukünftige Zinserhöhungen am Markt.

In Phasen steigender oder volatiler Zinsen, wie sie in den letzten Jahren zu beobachten waren, ist diese Sicherheit Gold wert. Eine Studie der Bundesbank von 2024 zeigt, dass Banken seit 2022 ihre Kreditrichtlinien kontinuierlich verschärft haben und die Kreditzinsen auf hohem Niveau verharren. Ein Gründer, der heute einen Kredit mit kurzer Zinsbindung aufnimmt, läuft Gefahr, bei der Anschlussfinanzierung in wenigen Jahren mit deutlich höheren Zinsen konfrontiert zu werden. Dies kann eine anfangs solide Kalkulation komplett über den Haufen werfen und zu einem unvorhergesehenen Liquiditätsengpass führen.

Der etwas höhere Zinssatz für eine lange Zinsbindung ist daher keine zusätzliche Belastung, sondern eine Versicherungsprämie gegen das Zinsänderungsrisiko. Im Gespräch mit Ihrer Bank signalisieren Sie mit dem Wunsch nach einer langen Zinsbindung, dass Sie langfristig und vorausschauend planen. Sie zeigen, dass Sie nicht nur die Chancen Ihres Geschäftsmodells sehen, sondern auch die externen Risiken im Blick haben und aktiv managen wollen. Dieser strategische Weitblick stärkt Ihr Profil als umsichtiger Unternehmer und kann die Kreditentscheidung positiv beeinflussen, da er das Risiko für die Bank berechenbarer macht.

Wie schreiben Sie einen Businessplan, der Bankern keine andere Wahl lässt, als „Ja“ zu sagen?

Ein Businessplan für die Bank ist kein Marketingdokument, sondern ein Risikomanagement-Plan. Banker lesen Hunderte von Plänen im Jahr; sie erkennen überzogenen Optimismus und unbelegte Behauptungen sofort. Um zu überzeugen, muss Ihr Businessplan die Sprache des Bankers sprechen: die Sprache der Zahlen, der Fakten und der abgesicherten Risiken. Anstatt sich in Visionen zu verlieren, konzentrieren Sie sich darauf, jede Annahme mit Daten zu untermauern und für jedes potenzielle Problem eine durchdachte Lösung zu präsentieren.

Der wichtigste Teil ist oft der am meisten vernachlässigte: das Kapitel über Risiken. Listen Sie proaktiv alle denkbaren Risiken auf – vom Wegfall eines wichtigen Kunden über steigende Materialkosten bis hin zu neuem Wettbewerb. Und dann, für jedes einzelne Risiko, präsentieren Sie eine konkrete Gegenstrategie (Mitigation). Das zeigt dem Banker nicht nur, dass Sie ehrlich sind, sondern vor allem, dass Sie vorausschauend planen und auch in schwierigen Zeiten einen Plan B haben. Der Finanzteil muss absolut fehlerfrei und nachvollziehbar sein. KfW verlangt bei höheren Summen ohnehin eine detaillierte Liquiditätsplanung. Gehen Sie einen Schritt weiter und rechnen Sie drei Szenarien durch: ein pessimistisches, ein realistisches und ein optimistisches. Ihre Finanzierung muss so dimensioniert sein, dass sie selbst im pessimistischen Szenario überlebensfähig ist.

Professioneller Businessplan mit Finanzdiagrammen auf Schreibtisch

Ein Businessplan, der einen Banker überzeugt, zeichnet sich durch bestimmte, unverzichtbare Elemente aus, die weit über eine reine Geschäftsidee hinausgehen:

  • Executive Summary als Investment-Memo: Beantworten Sie auf der ersten Seite die fünf Kernfragen: Wer sind Sie? Was wollen Sie tun? Wie viel Kapital benötigen Sie wofür? Warum wird es funktionieren? Und wo liegt das grösste Risiko?
  • Eigenes Kapitel „Risiken & Gegenmassnahmen“: Zeigen Sie, dass Sie die Schwachstellen Ihres Modells kennen und bereits Lösungen parat haben.
  • Banker-Anhang: Bereiten Sie wichtige Kennzahlen (z.B. Umsatzrendite, Cash-Flow) in einer Form auf, die der Banker kennt und schnell bewerten kann.
  • Detaillierte Liquiditätsplanung: Besonders bei Kreditsummen über 25.000 Euro ist eine monatliche Vorschau der Ein- und Auszahlungen für die KfW unerlässlich.
  • Drei-Szenarien-Modell: Zeigen Sie auf, dass Ihr Unternehmen auch dann noch liquide ist, wenn die Einnahmen 20% unter Plan liegen.

Ein solcher Plan ist mehr als nur eine Formalie; er ist Ihr wichtigstes Argument. Einen Businessplan zu erstellen, der diese Kriterien erfüllt, ist die beste Investition in Ihre Finanzierungszusage.

Wie berechnen Sie Ihren Kapitalbedarf so genau, dass Sie nicht nachfinanzieren müssen?

Eine der häufigsten und fatalsten Fehlannahmen von Gründern ist die zu optimistische Berechnung des Kapitalbedarfs. Eine Nachfinanzierung zu bekommen, ist ungleich schwerer als die Erstfinanzierung. Scheitert ein Unternehmen, dann oft nicht an mangelnden Ideen, sondern an einem plötzlichen Liquiditätsengpass in den ersten kritischen Jahren. Ihre Aufgabe ist es, diesen Engpass von vornherein durch eine realistische und konservative Planung zu vermeiden. Dies signalisiert der Bank, dass Sie die finanziellen Realitäten einer Gründung verstanden haben.

Die Berechnung darf sich nicht nur auf die einmaligen Investitionen (z.B. Maschinen, Büroeinrichtung) beschränken. Sie müssen auch alle laufenden Kosten der ersten 6-12 Monate (Miete, Gehälter, Marketing, Versicherungen) einplanen, in denen die Einnahmen oft noch nicht ausreichen, um die Ausgaben zu decken. Der wichtigste Hebel für eine realistische Planung ist das bereits erwähnte Drei-Szenarien-Modell. Ihr Kapitalbedarf muss so bemessen sein, dass er die Liquiditätslücke im „Worst-Case“-Szenario vollständig abdeckt. KfW-Experten betonen immer wieder, dass der Kapitalbedarf das pessimistische Szenario abdecken muss.

Zusätzlich zu den berechneten Kosten sollten Sie immer einen unverplanten Puffer von mindestens 15-20% einplanen. Nennen Sie ihn „Liquiditätsreserve für unvorhergesehene Ereignisse“. Das ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern von unternehmerischer Weitsicht. Es zeigt dem Banker, dass Sie wissen, dass in der Realität selten etwas nach Plan verläuft. Auch wenn die aktuellen Gründungszahlen für 2024 einen Anstieg zeigen, scheitern viele dieser jungen Unternehmen genau an dieser mangelnden Vorsorge. Eine genaue Berechnung, die alle Phasen und Eventualitäten abdeckt, ist Ihr bestes finanzielles Schutzschild.

Eine präzise Kapitalbedarfsrechnung ist die Grundlage für nachhaltigen Erfolg. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihren Bedarf so exakt zu kalkulieren, dass Sie für alle Eventualitäten gewappnet sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Perspektivwechsel ist alles: Denken Sie wie der Risikomanager Ihrer Bank, nicht wie ein visionärer Gründer.
  • Die 80% Haftungsfreistellung ist kein Freifahrtschein. Das 20% Restrisiko der Bank ist Ihre eigentliche Hürde.
  • Ihr persönliches und finanzielles Engagement („Skin in the Game“) ist für die Bank der stärkste Beweis für Ihre Ernsthaftigkeit.

Wie verhindern Sie, dass Ihnen trotz voller Auftragsbücher das Bargeld ausgeht?

Es ist das grosse Paradoxon vieler wachsender Unternehmen: Die Auftragsbücher sind voll, der Umsatz steigt, und trotzdem droht die Insolvenz. Der Grund ist ein negativer Cash-Flow. Lange Zahlungsziele von Kunden, hohe Vorleistungen für Material oder unvorhergesehene Ausgaben können die Liquidität aufzehren, lange bevor die Einnahmen auf dem Konto sind. Laut einer Agicap-Studie 2024 erleben deutsche Mittelstandsunternehmen durchschnittlich 20 signifikante Liquiditätsengpässe pro Jahr. Für ein junges Unternehmen ohne grosse Reserven kann schon ein einziger solcher Engpass das Aus bedeuten.

Das einzige wirksame Gegenmittel ist eine proaktive und disziplinierte Liquiditätsplanung. Warten Sie nicht, bis das Konto leer ist. Sie benötigen ein Cockpit, das Ihnen jederzeit einen klaren Blick auf die zukünftigen Ein- und Auszahlungen ermöglicht. Das bewährteste Instrument hierfür ist die 13-Wochen-Liquiditätsplanung. Diese rollierende Vorschau zwingt Sie, wöchentlich alle erwarteten Cash-Flows zu erfassen und gibt Ihnen einen Vorlauf von drei Monaten, um auf drohende Engpässe zu reagieren – sei es durch die Verschiebung von Ausgaben, die Beschleunigung von Einnahmen oder die rechtzeitige Aufnahme eines Betriebsmittelkredits.

Dieses Vorgehen ist nicht nur für Sie überlebenswichtig, sondern auch ein starkes Argument im Bankgespräch. Wenn Sie Ihrer Bank eine solche detaillierte und vorausschauende Planung vorlegen können, beweisen Sie ein Höchstmass an finanziellem Management und Kontrolle. Sie zeigen, dass Sie nicht nur Ihr Handwerk oder Ihre Dienstleistung beherrschen, sondern auch die kaufmännische Seite Ihres Unternehmens fest im Griff haben. Dies reduziert das operative Risiko aus Sicht der Bank erheblich und stärkt das Vertrauen in Ihre Fähigkeit, den Kredit zu bedienen.

Die Sicherung Ihrer Liquidität ist die wichtigste Aufgabe nach der Gründung. Um dies zu gewährleisten, ist es entscheidend, die Mechanismen zu verstehen, die einen Liquiditätsengpass trotz guter Auftragslage verhindern.

Die erfolgreiche Beantragung eines KfW-Kredits ist ein Marathon, kein Sprint. Er erfordert eine strategische Vorbereitung, die weit über das Ausfüllen von Formularen hinausgeht. Bewerten Sie jetzt Ihre Ausgangslage und bereiten Sie sich mit diesen Strategien gezielt auf Ihr Bankgespräch vor, um Ihre Finanzierung zu sichern.

Geschrieben von Stefan Klein, Ehemaliger Firmenkundenbetreuer einer Großbank und heute unabhängiger Finanzierungsberater. Experte für Bankgespräche, Businesspläne, KfW-Fördermittel und Liquiditätsmanagement.