Veröffentlicht am März 12, 2024

Volle Auftragsbücher schützen nicht vor Insolvenz. Echte Kontrolle entsteht nicht durch komplexe Monatsberichte, sondern durch ein tägliches 5-Minuten-Ritual, das sich auf die entscheidenden Finanzhebel konzentriert.

  • Der Fokus auf den Umsatz allein ist irreführend; die tägliche Liquidität und der Auftragseingang sind die wahren Frühwarnindikatoren.
  • Die Implementierung von Schwellenwert-Alarmen ist effizienter als eine starre monatliche Budgetkontrolle, da sie sofortiges Handeln ermöglicht.

Empfehlung: Beginnen Sie sofort mit der Einrichtung eines Dashboards, das nur drei bis fünf tägliche Schlüsselkennzahlen (KPIs) überwacht: Bankkontostand, Auftragseingang des Vortages und überfällige Forderungen.

Als Inhaber oder kaufmännischer Leiter eines wachsenden Unternehmens kennen Sie das Paradox: Die Auftragsbücher sind voll, die Stimmung ist gut, doch der Blick auf das Bankkonto löst Unbehagen aus. Sie jagen Umsatzzielen hinterher, während die Liquidität im Tagesgeschäft zur ständigen Sorge wird. Dieses Szenario, die sogenannte „Wachstumsfalle“, ist keine Seltenheit. Es ist das direkte Resultat eines fehlenden oder ineffizienten operativen Controllings.

Viele assoziieren Controlling mit komplexen Excel-Tabellen, endlosen Monatsberichten und einer administrativen Last, die für ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitern überdimensioniert erscheint. Man verlässt sich auf den Steuerberater, der einmal im Quartal die BWA liefert – ein Blick in den Rückspiegel, der für die Steuerung im Hier und Jetzt wertlos ist. Doch was wäre, wenn die Lösung nicht in mehr, sondern in gezielterem Controlling liegt? Wenn es nicht darum geht, alles zu messen, sondern täglich die wenigen Kennzahlen zu kontrollieren, die wirklich über die Zahlungsfähigkeit entscheiden?

Dieser Artikel bricht mit dem Mythos des aufwendigen Controllings. Er etabliert ein systematisches, pragmatisches Rahmenwerk, das Ihnen die Kontrolle zurückgibt. Der Kern dieses Ansatzes ist nicht die retrospektive Analyse, sondern die proaktive Steuerung durch ein tägliches Ritual. Wir werden zeigen, wie Sie mit minimalem Zeitaufwand ein Frühwarnsystem aufbauen, das Sie vor bösen Überraschungen schützt und sicherstellt, dass Ihr unternehmerischer Erfolg sich auch auf Ihrem Konto widerspiegelt. Es geht darum, vom reagierenden Verwalter zum steuernden Kapitän Ihres Unternehmens zu werden.

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Um diese Kontrolle systematisch aufzubauen, führen wir Sie durch die wesentlichen Bausteine eines effektiven operativen Controllings. Von den entscheidenden täglichen Kennzahlen bis hin zur strategischen Nutzung von Werkzeugen bietet dieser Leitfaden einen klaren Fahrplan.

Warum Umsatz als alleinige Kennzahl trügerisch ist und welche KPIs Sie täglich prüfen sollten

Der Fokus auf den Bruttoumsatz ist einer der gefährlichsten Tunnelblicke für Geschäftsführer. Ein hoher Umsatz suggeriert Erfolg, verschleiert aber kritische Probleme wie sinkende Margen, explodierende Kosten oder eine gefährlich niedrige Liquidität. Er ist eine nachlaufende Kennzahl, die nichts über die aktuelle finanzielle Gesundheit Ihres Unternehmens aussagt. Die Realität ist, dass die meisten KMU ineffektiv steuern: Laut einer internationalen Studie aus 2024 nutzen nur 22,6% der KMU systematisch verschiedene Informationsquellen für ihre Entscheidungsfindung. Echte Kontrolle beginnt mit der Abkehr vom Umsatz als alleiniger Messgrösse und der Hinwendung zu einem täglichen Kennzahlen-Ritual.

Anstatt sich in einer Flut von Daten zu verlieren, konzentrieren Sie sich auf ein Power-Trio von Frühwarnindikatoren. Diese Kennzahlen geben Ihnen innerhalb von fünf Minuten einen präzisen Überblick über die operative Verfassung Ihres Unternehmens. Der tagesaktuelle Bankkontostand ist Ihre wichtigste Kennzahl – er zeigt die sofort verfügbare Liquidität. Der Auftragseingang des Vortages ist Ihr Puls für zukünftiges Wachstum und die Auslastung Ihrer Kapazitäten. Die Summe der offenen Forderungen, insbesondere jener, die älter als 30 Tage sind, ist Ihr direkter Indikator für das Cashflow-Risiko.

Die systematische Erfassung dieser drei Werte in einem einfachen Dashboard schafft eine unschätzbare Datenhistorie. Sie erkennen Trends, Saisonalität und Abweichungen, lange bevor sie in der monatlichen Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) sichtbar werden. Dieses Ritual ist kein administrativer Aufwand, sondern Ihr täglicher Sicherheitscheck.

Ihr Plan für das tägliche KPI-Ritual: Das Power-Trio für KMU

  1. Liquidität prüfen: Kontrollieren Sie jeden Morgen Ihren aktuellen Bankkontostand zur Sicherstellung der sofortigen Zahlungsfähigkeit.
  2. Wachstum messen: Überprüfen Sie den Auftragseingang des Vortages als direkten Indikator für die Geschäftsentwicklung.
  3. Risiko bewerten: Überwachen Sie die Summe der offenen Forderungen, die älter als 30 Tage sind, um Cashflow-Risiken frühzeitig zu erkennen.
  4. Dokumentieren: Führen Sie diese drei Kennzahlen täglich in einem zentralen Dashboard (z. B. einer einfachen Tabelle), um Trends sichtbar zu machen.
  5. Handeln: Setzen Sie klare Schwellenwerte fest (z. B. Mindestliquidität), bei deren Unter- oder Überschreitung sofort definierte Massnahmen ergriffen werden müssen.

Wie Sie Abweichungen im Budget erkennen, bevor sie zum Problem werden

Ein Jahresbudget ist schnell erstellt, doch seine starre Struktur wird im dynamischen Geschäftsalltag oft wertlos. Die meisten Unternehmen vergleichen Ist-Zahlen mit dem Plan erst am Monatsende – viel zu spät, um wirksam gegenzusteuern. Ein effektives operatives Controlling ersetzt diese reaktive Analyse durch ein proaktives Schwellenwert-Alarmsystem. Anstatt jede kleine Abweichung zu verfolgen, definieren Sie Toleranzgrenzen für Ihre wichtigsten Kosten- und Ertragspositionen. Eine Abweichung wird erst dann zum Thema, wenn sie diesen vordefinierten Schwellenwert überschreitet.

Dieses Prinzip fokussiert Ihre Aufmerksamkeit auf das Wesentliche und verhindert, dass Sie sich im Mikromanagement verlieren. Ein solches System lässt sich bereits mit einfachen Mitteln umsetzen: Eine bedingte Formatierung in Excel kann Zellen rot färben, wenn ein Kostenpunkt das Budget um mehr als 10 % übersteigt. Moderne Cloud-Tools gehen noch einen Schritt weiter und versenden automatische Benachrichtigungen per E-Mail oder Push-Nachricht. Der entscheidende Vorteil ist die Geschwindigkeit der Reaktion. Sie handeln in dem Moment, in dem das Problem entsteht, nicht Wochen später.

Das folgende Schema verdeutlicht, wie ein solches Alarmsystem Ihre Budgetkontrolle von einer mühsamen monatlichen Pflicht zu einem effizienten, automatisierten Überwachungsprozess transformiert.

Schwellenwertbasiertes Alarmsystem für Budgetabweichungen, dargestellt durch abstrakte, überlappende Farbflächen in Gelb und Rot, die Alarmstufen symbolisieren.

Wie Sie auf dem Bild sehen, geht es nicht darum, jede Abweichung zu analysieren, sondern die kritischen Ausreisser sofort zu identifizieren. Dieser Ansatz spart wertvolle Management-Zeit und ermöglicht eine gezielte Ursachenforschung, genau dann, wenn sie am wirkungsvollsten ist.

Fallbeispiel: KPMG Deutschland – Frühwarnsystem statt Komplettplanung

KPMG Deutschland hat diesen Ansatz mit der Implementierung eines innovativen Frühwarnsystems perfektioniert. Anstatt aufwendiger Neuplanungen bei jeder Veränderung konzentriert sich das Unternehmen nur noch auf die Abweichungen von zentralen Kennzahlen. Überschreiten diese definierte Schwellenwerte, wird automatisch eine Meldung ausgelöst. Das System fokussiert sich auf nur drei KPIs: Nettoumsatz, Gesamtkosten und benötigte Mitarbeiter (FTE). Dieser radikal vereinfachte Ansatz hat den Planungsaufwand drastisch reduziert und die Reaktionsfähigkeit des Managements signifikant erhöht.

Excel-Tapete oder Cloud-Tool: Was ist für ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitern effizienter?

Die Frage nach dem richtigen Werkzeug ist für viele KMU zentral. Oftmals beginnt das Controlling mit Excel – eine vermeintlich kostengünstige und flexible Lösung. Doch mit wachsender Komplexität entwickeln sich diese Tabellen schnell zu fehleranfälligen „Excel-Tapeten“: unübersichtlich, von einer Person abhängig und durch manuelle Eingaben extrem anfällig für Fehler. Der grösste Nachteil sind jedoch die versteckten Kosten. Die Zeit, die Sie oder Ihre Mitarbeiter wöchentlich mit der Datensammlung, -aufbereitung und -prüfung verbringen, ist eine teure Ressource. Bei einem Stundensatz von 80 € für einen Geschäftsführer betragen die jährlichen Opportunitätskosten bei nur 5 Stunden wöchentlicher Excel-Arbeit bereits 20.800 €.

Moderne Cloud-basierte Controlling-Tools bieten hier einen entscheidenden Effizienzvorteil. Sie automatisieren die Datensammlung durch direkte Schnittstellen zu Bankkonten und Buchhaltungssystemen. Die Daten sind in Echtzeit verfügbar, was eine tagesaktuelle Steuerung ermöglicht. Die Zusammenarbeit im Team wird durch einen zentralen Datenzugriff vereinfacht, und Versionskonflikte gehören der Vergangenheit an. Während die Einrichtungskosten für Excel initial niedriger erscheinen, überwiegen die Vorteile eines Cloud-Tools in puncto Zeitersparnis, Fehlerreduktion und Skalierbarkeit bereits nach kurzer Zeit.

Die folgende Tabelle stellt die entscheidenden Kriterien für ein Unternehmen Ihrer Grösse gegenüber und zeigt, warum der Wechsel von einer statischen Excel-Lösung zu einem dynamischen Cloud-Tool ein strategischer Schritt ist.

Vergleich Excel vs. Cloud-Tool für KMU-Controlling
Kriterium Excel Cloud-Tool
Einrichtungskosten Niedrig (ca. 100-500€) Mittel (ab 50€/Monat)
Zeitaufwand pro Woche 5-10 Stunden 1-2 Stunden
Fehleranfälligkeit Hoch (manuelle Eingabe) Niedrig (automatisiert)
Zusammenarbeit Schwierig (Versionskonflikte) Einfach (Echtzeit)
Skalierbarkeit Begrenzt Hoch
Mobiler Zugriff Eingeschränkt Vollständig

Der Fehler der Gemeinkosten: Warum Sie bei Ihren Produkten draufzahlen, ohne es zu merken

Einer der gravierendsten und am häufigsten übersehenen Fehler im KMU-Controlling ist die pauschale Verteilung der Gemeinkosten. Kosten für Miete, Verwaltung, IT oder interne Gehälter werden oft prozentual auf alle Produkte oder Kunden umgelegt. Diese Methode ist einfach, aber gefährlich. Sie führt dazu, dass pflegeleichte, profitable Kunden die Kosten für aufwendige, unrentable Kunden subventionieren. Sie verkaufen ein Produkt mit scheinbar guter Marge, realisieren aber nicht, dass der damit verbundene hohe Verwaltungsaufwand den gesamten Gewinn auffrisst. Sie identifizieren Ihre verdeckten Verlustbringer nicht.

Eine verursachungsgerechte Gemeinkostenzuordnung ist der Schlüssel zur wahren Profitabilitätstransparenz. Der erste Schritt besteht darin, alle Gemeinkosten vollständig zu erfassen. Anschliessend müssen Sie die Treiber dieser Kosten identifizieren. Wie viel Verwaltungszeit beansprucht Kunde A im Vergleich zu Kunde B? Welche IT-Ressourcen benötigt Projekt C? Dies kann durch einfache Zeiterfassung oder die Anwendung der Prozesskostenrechnung auf Ihre Hauptprozesse geschehen. Auf dieser Basis berechnen Sie realistische Gemeinkostenzuschlagssätze, die Sie in jede Preiskalkulation integrieren.

Diese Umstellung ist zunächst aufwendig, aber der Erkenntnisgewinn ist immens. Sie werden plötzlich sehen, welche Kunden oder Produkte trotz hohem Umsatz tatsächlich Geld verbrennen. Diese Transparenz ermöglicht Ihnen strategische Entscheidungen: Preise anpassen, Prozesse für aufwendige Kunden standardisieren oder sich im Extremfall von unrentablen Geschäftsbeziehungen trennen. Es geht darum, die wahre Deckungsbeitragsrechnung zu beherrschen.

Controlling ist und wird zu einem umfassenden Steuerungsinstrument für das gesamte Unternehmen. Nicht Abweichungen ermitteln ist der einzige Zweck, sondern auf allen Ebenen das Management beraten und auf Schwachstellen aufmerksam machen.

– Controlling Portal, Externes Controlling in KMU

Wie oft müssen Sie reporten: Reicht monatlich oder brauchen Sie Echtzeit-Daten?

Die Debatte zwischen monatlichem Reporting und dem Wunsch nach Echtzeit-Daten lähmt viele Unternehmen. Die Wahrheit ist: Sie brauchen beides nicht in Reinform. Ein pragmatischer Ansatz, der sich an der Entscheidungsrelevanz der Informationen orientiert, ist weitaus effizienter. Nicht jede Kennzahl muss sekündlich aktualisiert werden. Ein gestufter Controlling-Rhythmus stellt sicher, dass Sie die richtige Information zur richtigen Zeit erhalten, ohne wertvolle Ressourcen zu verschwenden.

Dieser Ansatz unterteilt Ihre Controlling-Aktivitäten in drei Frequenzen. Die tägliche Kontrolle dauert nur 5 Minuten und fokussiert sich ausschliesslich auf die Überlebensfähigkeit des Unternehmens: die Liquidität. Ein kurzer Blick auf die Kontostände genügt. Die wöchentliche Prüfung, die etwa 30 Minuten in Anspruch nimmt, widmet sich den wichtigsten operativen KPIs wie Auftragseingang, offenen Posten und vielleicht der Produktivität. Hier erkennen Sie kurzfristige Trends und können die Weichen für die kommende Woche stellen.

Erst das monatliche Review, das 2-3 Stunden dauern kann, taucht tiefer in die Materie ein. Hier analysieren Sie die vollständige BWA und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV), vergleichen Soll-Ist-Werte detailliert und leiten strategische Massnahmen ab. Dieser Rhythmus kombiniert die Agilität der täglichen Steuerung mit der Tiefe der monatlichen Analyse und ist für ein KMU mit 20 Mitarbeitern ideal.

Fallbeispiel: Der optimale Controlling-Rhythmus nach Entscheidungsrelevanz

Ein strukturierter Controlling-Rhythmus, der in der Praxis erfolgreich angewendet wird, basiert auf der Dringlichkeit der Entscheidung. Er ersetzt die starre „monatlich vs. Echtzeit“-Debatte durch einen ressourcenschonenden, pragmatischen Ansatz. Der Plan sieht so aus: Tägliche 5-Minuten-Kontrolle der Liquidität über Kontostände. Wöchentliche 30-minütige Prüfung der wichtigsten operativen KPIs wie Auftragseingang und offene Posten. Und schliesslich ein monatliches 2-3 stündiges Review mit vollständiger BWA/GuV und strategischer Analyse. Diese Methode stellt sicher, dass die Aufmerksamkeit des Managements immer auf die aktuell relevanteste Informationsebene gerichtet ist.

Wie verhindern Sie, dass Ihnen trotz voller Auftragsbücher das Bargeld ausgeht?

Das Phänomen ist als „in den Erfolg hungern“ bekannt: Ein Unternehmen wächst so schnell, dass die Ausgaben für Material, Personal und Vorleistungen die Einnahmen aus den später bezahlten Rechnungen übersteigen. Das Resultat ist eine akute Liquiditätskrise trotz exzellenter Auftragslage – die Cash-Falle. Um dies zu verhindern, ist eine proaktive und rollierende Liquiditätsplanung unerlässlich. Ein statischer Jahresplan reicht nicht aus; Sie benötigen eine Vorausschau, die ständig aktualisiert wird. In der Praxis hat sich ein Planungshorizont von 13 Wochen als optimaler Standard für die rollierende Liquiditätsplanung in KMU erwiesen. Dieser Zeitraum ist nah genug, um präzise zu sein, und lang genug, um strategische Entscheidungen zu treffen.

Die Planung allein reicht jedoch nicht. Sie müssen aktiv daran arbeiten, Ihren Cash Conversion Cycle zu verkürzen – also die Zeitspanne zwischen der Bezahlung Ihrer Lieferanten und dem Geldeingang von Ihren Kunden. Jeder Tag, den Sie diesen Zyklus verkürzen, setzt gebundenes Kapital frei. Es gibt mehrere wirksame Hebel, die Sie sofort umsetzen können, um Ihren Cashflow zu optimieren und die Liquidität zu sichern.

Die folgenden Massnahmen sind keine komplizierten Finanzstrategien, sondern konkrete, operative Handlungen, die einen direkten Einfluss auf Ihr Bankkonto haben:

  • Sofortige Rechnungsstellung: Stellen Sie Rechnungen unmittelbar nach Leistungserbringung, nicht gesammelt am Monatsende.
  • Anzahlungen und Teilzahlungen: Vereinbaren Sie bei grösseren Projekten feste Zahlungsmeilensteine, um Ihre Vorleistungen zu finanzieren.
  • Automatisiertes Mahnwesen: Implementieren Sie ein System, das säumige Zahler automatisch und konsequent an ihre Pflichten erinnert.
  • Verhandelte Lieferantenziele: Verhandeln Sie aktiv längere Zahlungsziele mit Ihren Lieferanten, um Ihren eigenen Cashflow zu entlasten.
  • Optimierte Lagerhaltung: Minimieren Sie Ihre Lagerbestände durch Just-in-Time-Beschaffung, um Kapitalbindung zu reduzieren.
  • Nutzung von Factoring: Erwägen Sie den Verkauf offener Forderungen an einen Factoring-Dienstleister, um sofortige Liquidität zu erhalten.

Die Sicherung Ihrer Zahlungsfähigkeit ist die oberste Priorität. Es ist daher unerlässlich zu verstehen, wie Sie einen positiven Cashflow aktiv steuern können.

Welche Tools brauchen Sie wirklich, um Ihre Finanzen vom Smartphone aus zu steuern?

Die Fähigkeit, wichtige Finanzentscheidungen von überall aus zu treffen, ist kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit für agile Unternehmer. Der Markt bietet eine unüberschaubare Menge an Finanz-Apps, doch Sie brauchen keine teure All-in-One-Lösung. Ein intelligenter Mix aus spezialisierten Tools, die jeweils eine Kernfunktion exzellent erfüllen, ist oft die effizientere Wahl. Man kann diese Tools in vier Hauptkategorien einteilen, die zusammen einen geschlossenen mobilen Finanzprozess abbilden.

Erfassungs-Tools wie Pleo oder Candis digitalisieren den mühsamsten Teil der Buchhaltung: die Belegerfassung. Mitarbeiter fotografieren ihre Rechnungen einfach mit dem Smartphone, und die Daten werden automatisch ausgelesen. Freigabe-Tools sind oft bereits in Ihren bestehenden Banking-Apps integriert. Sie ermöglichen es Ihnen, Zahlungen sicher und schnell von unterwegs zu autorisieren. Analyse-Tools wie Agicap oder Commitly sind das mobile Cockpit Ihres Unternehmens. Sie bieten ein Live-Dashboard Ihrer Liquidität und wichtigsten KPIs. Schliesslich gibt es integrierte Lösungen wie LucaNet oder Jedox, die den gesamten Prozess abbilden, aber oft für ein KMU mit 20 Mitarbeitern überdimensioniert und zu kostspielig sind.

Die folgende Tabelle hilft Ihnen, die für Sie passenden Werkzeuge basierend auf ihrer spezifischen Funktion zu identifizieren und einen schlanken, mobilen Tech-Stack aufzubauen.

Mobile Finanz-Tools nach Funktion kategorisiert
Kategorie Funktion Tool-Beispiele Hauptnutzen
Erfassungs-Tools Belegerfassung Pleo, Candis Automatische Digitalisierung
Freigabe-Tools Zahlungsfreigabe Banking-Apps Mobile Autorisierung
Analyse-Tools Liquiditäts-Dashboard Agicap, Commitly Echtzeit-Überblick
Integrierte Lösungen Komplettpaket LucaNet, Jedox End-to-End-Prozess

Die Auswahl der richtigen Technologie ist ein wichtiger Schritt, um Ihre Finanzsteuerung flexibel und ortsunabhängig zu machen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Liquidität schlägt Umsatz: Die tägliche Kontrolle des Bankkontostands und der offenen Forderungen ist wichtiger als der monatliche Umsatzbericht.
  • Proaktive Alarme statt reaktiver Berichte: Definieren Sie Schwellenwerte für kritische Kosten und Erträge, um Probleme zu erkennen, bevor sie eskalieren.
  • Wahre Profitabilität aufdecken: Eine verursachungsgerechte Zuordnung von Gemeinkosten ist unerlässlich, um verdeckte Verlustbringer in Ihrem Portfolio zu identifizieren.

Wie berechnen Sie exakt, ab welchem Tag im Jahr Sie wirklich Geld verdienen?

Die Gewinnschwelle, oder der Break-Even-Point, ist mehr als nur eine trockene betriebswirtschaftliche Kennzahl. Sie ist ein kraftvolles Steuerungsinstrument und ein hochwirksamer Motivator für Ihr gesamtes Team. Die Berechnung des Break-Even-Tages – also des exakten Datums im Jahr, ab dem Ihr Unternehmen alle Fix- und variablen Kosten gedeckt hat und jeder weitere Euro Umsatz reiner Gewinn ist – macht den Erfolg greifbar. Anstatt abstrakte Jahresziele zu verfolgen, arbeitet das gesamte Unternehmen darauf hin, diesen „Tag der finanziellen Freiheit“ so früh wie möglich im Jahr zu erreichen.

Die Berechnung ist im Kern einfach: Sie teilen Ihre gesamten jährlichen Fixkosten durch Ihren Deckungsbeitragssatz (Deckungsbeitrag / Umsatz). Das Ergebnis sind die Umsatzerlöse, die Sie zum Erreichen der Gewinnschwelle benötigen. Setzen Sie diesen Umsatz ins Verhältnis zu Ihrem geplanten Jahresumsatz, um den Break-Even-Tag zu ermitteln. Die wahre Kraft entfaltet diese Kennzahl jedoch erst, wenn sie transparent im Unternehmen kommuniziert wird. Ein Dashboard, das den Fortschritt zum Break-Even-Tag visualisiert, schafft ein gemeinsames Ziel und fördert das kaufmännische Verständnis bei allen Mitarbeitern. Auch wenn 57% der deutschen KMU 2023 ihre Liquiditätssituation als sehr gut oder gut bewerteten, ist die Kenntnis der eigenen Gewinnschwelle ein entscheidender Sicherheitsanker.

Fallbeispiel: Der Break-Even-Tag als unternehmensweite Challenge

Ein mittelständisches Produktionsunternehmen nutzte den Break-Even-Tag als zentrale Motivation für das gesamte Team. Im Vorjahr wurde die Gewinnschwelle erst am 18. August erreicht. Die Geschäftsführung machte es zur unternehmensweiten Challenge, diesen Tag im Folgejahr vorzuziehen. Durch transparente Kommunikation des Fortschritts in den Team-Meetings und die Berechnung des Break-Evens pro Produktlinie wurde das Bewusstsein für Kosten und Effizienz im gesamten Unternehmen geschärft. Das Resultat: Im Folgejahr wurde der Break-Even-Tag bereits am 1. August erreicht, was das Jahresergebnis signifikant verbesserte.

Die genaue Kenntnis Ihrer Profitabilitätsschwelle ist der letzte Baustein, um zu verstehen, ab wann Ihre Arbeit tatsächlich Gewinn generiert.

Die Etablierung eines systematischen, operativen Controllings ist keine Frage der Unternehmensgrösse, sondern eine der unternehmerischen Disziplin. Beginnen Sie noch heute damit, diese Kontrollmechanismen zu implementieren. Der erste und wichtigste Schritt ist die Definition und konsequente Durchführung Ihres täglichen Kennzahlen-Rituals. Dies legt das Fundament für alle weiteren Optimierungen und gibt Ihnen die Sicherheit, Ihr Unternehmen auf Basis von Fakten zu steuern, nicht auf Basis von Hoffnungen.

Geschrieben von Renate Weber, Diplom-Finanzwirtin und Steuerberaterin mit über 22 Jahren Erfahrung in der Mandantenbetreuung von KMUs und Start-ups. Spezialistin für GoBD-konforme Buchführung, digitale Prozessoptimierung und steuerliche Gestaltungsberatung.